Projekte & Preise
Wir unterstützen wissenschaftliche Projekte, die zur Gesunderhaltung von Neuweltkameliden beitragen.
Im Mittelpunkt stehen Forschungsvorhaben aus den Bereichen Tiergesundheit, Zucht und Prävention, die neue Erkenntnisse für Wissenschaft und Praxis liefern.
Laufende Projekte
Nicht-invasive Erfassung der Ovarfunktion beim Lama und Alpaka durch Messung von Sexualsteroiden in der Milch und exfoliative Vaginalzytologie
Apl. Prof. Dr. Gerhard Schuler
Dr. Henrik Wagner
Die Erfassung der Ovarfunktion ist für Planung züchterischer Maßnahmen sowie in der Diagnostik von Fortpflanzungsstörungen von erheblicher Bedeutung. Bei Neuweltkameliden kann die Ovarfunktion grundsätzlich direkt durch die transrektale Sonografie erfasst werden.
Diese Methode ist jedoch mit erheblichem Aufwand, Stress und einer nicht unerheblichen Verletzungsgefahr verbunden. Ziel dieses Projektes ist es daher zu untersuchen, ob die bei den Neuweltkameliden zwischen der Geburt und einer erfolgreichen Wiederbelegung an den Ovarien ablaufenden Follikelwellen nicht-invasiv durch Messungen von Sexualsteroiden in der Milch sowie anhand von Vaginalzytologien erfasst werden können. Dazu sollen von Lama und Alpakas vergleichend Hormonprofile in Milch- und Blutproben erstellt und mit den Ergebnissen der Vaginalzytologie und Beobachtungen zum Sexualverhalten in Beziehung gesetzt werden.
Untersuchungen zur Eignung der Brixrefraktometrie zur Beurteilung der Immunglobulinkonzentrationen im Alpakakolostrum
Univ.-Prof. Dr. T. Wittek
Tierärztin Janina Janik
Alpakafohlen werden ohne Immunglobuline im Blut geboren und müssen innerhalb von 24 Stunden nach der Geburt ausreichend Kolostrum und damit verbundene Immunglobuline aufnehmen, um eine erste Immunabwehr zu erhalten. Neben der aufgenommenen Menge spielt der Gehalt an Immunglobulinen im Kolostrum eine entscheidende Rolle. In vorangegangen Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die Immunglobulinkonzentration im Kolostrum zwischen den Stuten sehr variabel ist. Daher ist es auch beim Alpaka sinnvoll die Qualität des Kolostrums zu messen. Ziel des Projektes ist eine vergleichende Untersuchung der Messung der Immunglobulinkonzentrationen im Alpakakolostrum zwischen der RadialImmunodiffusion (Referenzmethode im Labor) und der Brixrefraktometrie, die für Alpakahalter im Stall einfach umsetzbar ist, durchzuführen. Zudem soll eine Empfehlung für einen Grenzwert für hochwertiges Kolostrum vorgeschlagen werden.
Emerging vectorborne viral infections and their impact on camelid health (EVICamheal)
Dr. med. vet. Claudia Schulz
Univ.-Prof. Dr. med. vet. Thomas Wittek, Dipl. ECBHM
Univ.-Prof. Dr. med. vet. Friedrich Schmoll, Dipl. ECPHM
Dr. med. vet. Angelika Auer
Dr. agr. Henrik Wagner
Univ.-Prof.in Dr. rer. nat. Stefanie Becker
Dr. med. vet. Bernd Hoffmann
Neuweltkameliden (NWK) sind empfänglich für verschiedene Vektor-übertragene Viren, die relevante Tierseuchen und/oder Zoonosen verursachen und aktuell in Österreich und Deutschland zirkulieren. Derzeit gibt es jedoch wenige Studien zu Vorkommen, Pathogenität und wirksamen Präventions-/Bekämpfungsmaßnahmen bei NWK und der Rolle von NWK bei der Verbreitung dieser Viren. Das Ziel unserer Feldstudie ist die geographische Verbreitung, Infektionsrate sowie Auswirkungen von Infektionen mit aktuell zirkulierenden Vektor-übertragenen Blauzungenviren (BTV) und den Flaviviren West-Nil-Virus (WNV), Frühsommer-Meningoenzephalitis-Virus (FSMEV), Alongshanvirus (ALSV) und Jingmentickvirus (JMTV) auf die Gesundheit von NWK in Österreich und Deutschland zu untersuchen. Dazu werden Blut- und Gewebeproben von NWK aus den Jahren 2023-2025 serologisch und/oder virologisch untersucht. Im Rahmen einer Fragebogenumfrage wird zudem der Einfluss von Bekämpfungsmaßnahmen und potenziellen Risikofaktoren auf die Infektionshäufigkeit und den klinischen Verlauf bewertet. Basierend auf den Studienergebnissen werden Handlungsempfehlungen zum nachhaltigen Schutz der Gesundheit von NWK erstellt werden.
Das Kürzen der Kampfzähne bei Alpakas
Jessica Schlüter
Dr. Reinhard Große
Dr. Anna Ehrle
Prof. Dr. Kerstin E. Müller
Prof. Dr. Christoph Lischer
Alpakahengste werden meist in Gruppen gehalten, wodurch es bei Rangkämpfen
durch die spitzen und scharfen Kampfzähne der Alpakas zu schwerwiegenden
Verletzungen kommen kann. Um Verletzungen vorzubeugen, werden die
Kampfzähne der Hengste in der Regel gekürzt. Dabei kommen verschiedene
Herangehensweisen und Methoden zum Einsatz. In einer Online-Umfrage wurden
Informationen von AlpakahalterInnen in Deutschland über das Kürzen der
Kampfzähne bei ihren Tieren erhoben. In einer anschließenden klinischen Feldstudie
werden nun die zwei am häufigsten genannten Methoden mit und ohne Einsatz von
Sedation untereinander verglichen.
Ziel ist es, die schonendste und stressärmste Methode für das Kürzen der
Kampfzähne bei Alpakahengsten zu identifizieren und eine wissenschaftlich fundierte
Empfehlung für die Durchführung geben zu können.
Abgeschlossene Projekte
Untersuchungen zur Eignung der Gastrin- und Pepsinogenkonzentrationen im Blut von Neuweltkamelen zur Diagnostik von Endoparasiten
Univ.-Prof. Dr. T. Wittek
Gastrin und Pepsinogen sind zwei Substanzen, die in den Verdauungsorganen Magen und Darm vielfältige Funktionen haben. Diese beiden Stoffe wirken weitestgehend lokal und erscheinen nicht oder nur in geringen Konzentrationen im peripheren Blut.
Es ist bei einigen Tierarten gezeigt worden, dass erhöhteKonzentrationen auf Störungen hinweisen. So ist zum Beispiel beim Schaf gezeigt worden, dass erhöhte Konzentrationen durch Parasiten im Magendarmtrakt hervorgerufen werden. Für Neuweltkamele liegen bisher keine Daten sowohl zu den physiologischen Bereichen als auch zu pathologischen Abweichungen vor. Mit der Studie soll ein Zusammenhang zwischen der Art und dem Grad der Endoparasitose und daraus resultierenden Veränderungen in der Magen- und Darmschleimhaut hergestellt werden. Als Grundlage dazu soll ein Vorschlag für mögliche Referenzbereiche für Gastrin und Pepsinogen bei Lamas und Alpakas unterschiedlichen Geschlechts und Alters gemacht werden.
Epidemiologische Studie über Neospora caninum und Toxoplasma gondii Infektionen bei Neuweltkameliden
PD Dr. med. vet. FVH Wiederkäuer, Dipl. ECBHM, Patrik ZANOLARI
PD Dr. med. vet., Dipl. EVPC, Walter BASSO
Toxoplasma gondii und Neospora caninum sind weltweit verbreitete Protozoen, welche Aborte und kongenitale Infektionen bei Wiederkäuern verursachen. Während T. gondii eine hohe Bedeutung als Aborterreger bei Kleinwiederkäuern hat, stellt N. caninum einer der wichtigsten Aborterreger beim Rind dar. Infektionen mit beiden Erregern wurden bei zahlreichen Haus- und Wildtierarten beschrieben mit unterschiedlicher klinischer Bedeutung bei den jeweiligen Tierarten.
Zu erwähnen ist, dass die Toxoplasmoseeine Zoonose ist, die schwerwiegende Erkrankungen bei Infektionen in utero oder bei immunsupprimierten Patienten hervorrufen kann. Über die Bedeutung der Toxoplasmose und der Neosporose bei Neuweltkameliden ist wenig bekannt. Einzelne serologische Studien haben gezeigt, dass N. caninum und T.gondii Infektionen vorkommen und dass N. caninum als Abortursache in Peru bestätigt wurde. Die Epidemiologische Situation beider Parasiten bei Neuweltkameliden in Europa, ihre Bedeutung als Aborterreger bei diesen Tierarten und die Rolle von mit T. gondii infiziertes Fleisch als Infektionsquelle für den Menschen wurden bis anhin kaum erforscht. Für eine aktuelle Prävalenzschätzung wird eine schweizweite Zufallsstichprobe gezogen, um Informationen über Verbreitung und Bedeutung von N.caninum und T. gondii Infektionen bei Neuweltkameliden zu erhalten.
Untersuchung von Aborten und perinataler Sterblichkeit bei Neuweltkameliden in der Schweiz
PD Dr. med. vet. FVH Wiederkäuer, Dipl. ECBHM, Patrik ZANOLARI
Prof Dr. med. vet., PhD, FVH Wiederkäuer, Dipl. ECAR, Dipl. ECBHM, Gaby HIRSBRUNNER
Die Zucht gesunder Nachkommen stellt einen wichtigen Bestandteil in der Haltung von Neuweltkameliden dar. Leider kommt es auch bei Lamas und Alpakas, wie bei anderen Säugetieren, zu Aborten und Totgeburten. Nur mit guten Kenntnissen der Ursachen und deren Häufigkeit können gezielt Massnahmen zur Vorbeugung getroffen werden. Über die Häufigkeit und die Ursachen der Aborte und Totgeburten in der Schweiz ist zurzeit sehr wenig bekannt. Daten aus Nordamerika und Neuseeland zeigten eine Abortrate von 7-12%. Als Auslöser für die Aborte und perinatale Sterblichkeit kommen infektiöse, sowie auch nichtinfektiöse Gründe in Frage. Infektiöse Ursachen beinhalten die Erkrankung durch Bakterien, Viren oder Parasiten. In Nordamerika wurden Chlamydien, Brucellen, Leptospiren und Listerien als mögliche bakterielle Aborterreger gefunden. Neuweltkameliden sind auch empfänglich für das BVD Virus (Bovine Virusdiarrhea Disease). Auch Parasiten können Aborte auslösen. Neosporen gehören zu den wichtigsten Ursachen für parasitär bedingte Aborte. Natürlich kann ein Abort auch aufgrund von nicht infektiösen Ursachen wie zum Beispiel Stress, Zwillingsträchtigkeiten und ungenügender Progesteronproduktion durch das Muttertier auftreten. Spurenelemente spielen ebenfalls eine wichtige Rolle in der weiblichen Fruchtbarkeit. Es wird angenommen, dass ein Spurenelement-Mangel zu Trächtigkeitsverlusten und Geburt von lebensschwachen Crias führen kann.
Um die Situation in der Schweiz besser einschätzen zu können, beschäftigt sich eine neue Studie der Vetsuisse-Fakultät der Universität Bern mit dem Vorkommen und den Ursachen von Aborten und perinataler Sterblichkeit bei Neuweltkameliden. Daher untersuchen wir die uns gemeldeten abortierten Föten, sowie um die Geburt verstorbene Crias. Nebst der Autopsie des Fötus inkl. Nachgeburt wird eine Blutprobe vom Muttertier zur Abklärung möglicher infektiöser Erreger und Mangel an Spurenelementen untersucht.
Einstieg in die molekulare Analyse gesundheitlich und züchterisch relevanter Merkmale beim Alpaka am Beispiel von Vliestyp- und Fellfarben-Varianten
Prof. Dr. med. vet. Gesine Lühken
Prof. Dr.med. vet. Cord Drögemüller
Dr. agr. Henrik Wagner
PD Dr. med. vet. Patrik Zanolari
Ziel des Projektes ist es zum einen, eine Übersicht zum Vorkommen von mit Fellfarben und Vlieseigenschaften zusammenhängenden Besonderheiten oder Defekten in der Alpakapopulation des deutschsprachigen Raums zu gewinnen. Zum anderen sollen die aktuellen Möglichkeiten der Identifizierung von Genvarianten, die solchen möglicherweise vererbten Besonderheiten oder Defekten zugrunde liegen, für das Alpaka eruiert und verbessert werden. Hierzu werden molekulargenetische Methoden wie die Gesamtgenomsequenzierung oder die SNP-Chip-Genotypisierung zur beispielhaften Identifizierung von Genvarianten mit Einfluss auf den Vliestyp und auf Fellfarben angewendet werden. Die gewonnenen Populations- und molekulargenetischen Daten sowie die von ausgewählten Alpakas gesammelten Proben sollen auch potenziellen Folgeprojekten zur Aufklärung und anschließenden Bekämpfung von genetisch bedingten Anomalien und Krankheiten beim Alpaka dienen.
Molekulargenetische Charakterisierung der Diversität der Alpaka-Populationen im deutschsprachigen Raum
Prof. Dr. med. vet. Gesine Lühken
Prof. Dr.med. vet. Cord Drögemüller
Dr. agr. Henrik Wagner
Prof. Dr. med. vet. Thomas Wittek
PD Dr. med. vet. Patrik Zanolari
Hauptziel des Projektes ist die erstmalige Analyse der genetischen Diversität der Alpaka-Populationen im deutschsprachigen Raum (Deutschland, Österreich, Schweiz) anhand molekulargenetischer Daten zur Ermittlung eines eventuellen Bedarfes an züchterischen Maßnahmen zur Vermeidung von gesundheitlichen Problemen durch Inzucht. Die hierbei gewonnenen Daten sollen außerdem dazu genutzt werden, um den Anteil von möglicherweise vorhandenen Kreuzungstieren aus den beiden Rassen Huacaya und Suri zu ermitteln und die Frage zu klären, welche Genomregionen in die Ausprägung des Vliestyps involviert sind. Außerdem soll auf dem ebenfalls durch den Verein zur Förderung der Forschung im Gesundheitssektor von Lamas und Alpakas e.V. geförderten Vorläuferprojekt gewonnenen Daten aufbauend die molekulargenetische Ursache für den Blue-eyed White (BEW)-Phänotyp beim Alpaka aufgeklärt werden.
Epidemiologische Untersuchungen zum Auftreten des Bornaschen Krankheitsvirus (BoDV-1) bei Neuweltkamelen
Univ.-Prof. Dr. T. Wittek
Tierärztin Leonie Danner
Dr. Christine Lendl
Dr. Sibylle Herzog
Das Borna-Disease-Virus gilt als Auslöser von neurologischen Störungen, die meist tödlich verlaufen. Vor allem DPferde erkranken an BoDV-1, es sind aber auch Fälle bei Schaf, Rind, Hund, Katze, Strauß und Neuweltkamelen beschrieben worden. Experimentell ist die Infektion in weiteren Spezies nachgewiesen und die potentielle Erkrankung bei allen Warmblütern wird vermutet (Hornig M., Lipkin W. I. 2014). In den letzten Jahren hat es Berichte über Erkrankungen bei Neuweltkamelen vor allem in Zentraleuropa gegeben. Ziel dieses Projektes ist es einen Überblick über die Verbreitung des BoDV-1 bei Alpakas und Lamas zu bekommen und eventuelle Prävalenzen für Alter, Geschlecht oder Anzahl der Tiere in kleinen oder großen Herden festzustellen. Es soll zudem berücksichtigt werden, ob in den Gebieten mögliche Assoziationen zu Fällen beim Pferd oder zum Vorkommen bei der Maus vorhanden sind.
Ausgezeichnete Arbeiten, Lydia und Konrad Kraft Preis
Projektvorschläge
Wir würden uns freuen, wenn aus den Reihen der Lama- und Alpakahalter, der Tierärzt*innen und allen anderen interessierten Personen Projektvorschläge gemacht werden. Alle Vorschläge können auf Wunsch hier veröffentlicht werden. Projektvorschläge können jederzeit eingereicht werden.
Vergabe:
"Lydia und Konrad Kraft Preis" & "Lydia und Konrad Kraft Nachwuchspreis"
In der Förderperiode 2025/27 werden Gelder bereitgestellt. Um das Interesse an den Fördermöglichkeiten zu wecken, hat die Mitgliederversammlung beschlossen einen "Lydia und Konrad Kraft Preis" in Höhe von 1500€ für Doktorarbeiten die in den Jahren (2023-2026) fertiggestellt wurden und einen "Lydia und Konrad Kraft Nachwuchspreis" in Höhe von 500€ für Dipl.-, BSc-, oder MSc-Arbeiten zu vergeben, die in den Jahren 2023-2026 veröffentlicht wurden.
Der Bewerbungsschluss für die Preise ist der 30 April 2027. Die Preise werden im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung überreicht.
Preisträgerinnen & Preisträger
Preisträgerin/
Preisträger
Titel der Arbeit
Universität
Kategorie (Jahr)
Dr. med. vet.Cassandra Eibl
Sonographie bei Lamas und Alpakas - physiologische Darstellung von Niere und Milzmittels perkutaner Untersuchungstechnik
Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien
Lydia und Konrad Kraft Preis (2023)
Dipl.-Ing. Natalia Nöllenburg
Alpakastress bei der Schur; Stressin alpacas: physiological and behavioral responses during the shearing procedure
Universität für Bodenkultur Wien
Lydia und Konrad Kraft Preis Nachwuchspreis (2023)
Dr. vet. Luise Kultscher
Untersuchungen zum Vorkommen von Endoparasiten bei Alpakas in Deutschland unter besonderer Beachtung der Wirksamkeit von Anthelminthika
Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien
Lydia und Konrad Kraft Preis (2021)
Tierärztin Annika Müller
Untersuchung zu Wirkungen der Fütterung eines multimineralischen Zusatzfuttermittels für Alpakas
Department für Nutztiere und öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin der Veterinärmedizinischen Universität Wien
Lydia und Konrad Kraft Preis Nachwuchspreis (2021)
